Tagebuch
Du möchtest von diesen Veranstaltungen erfahren, bevor sie stattfinden? Viele der später hier dokumentierten Veranstaltungen werden vorher in unserer Veranstaltungsübersicht angekündigt.
Donnerstag 22.01.2026
Widerstand gegen Ölbohrungen im Landkreis Augsburg
Der BUND Naturschutz in Bayern e. V. organisiert einen Pressetermin mit Fotoaktion gegen Ölbohrpläne.
- Ort: Großaitingen, Parkplatz an der Reinhartshofer Straße über die Wertach
Siehe Karte: https://www.openstreetmap.org/node/10308361245 - Zeit: 14 Uhr bis 15 Uhr
- Link für weitere Informationen:
https://www.bund-naturschutz.de/termine/widerstand-gegen-oel-bohr-plaene-im-landkreis-augsburg
Workshop: Wo steht Augsburg beim Klimaschutz?
- Ort: Karolinenstraße 10 (erster Stock)
- Zeit: 18:30
Achtung: Es kursierten drei unterschiedliche Angaben zur Uhrzeit. Nachdem uns das aufgefallen war, beschlossen wir, die Veranstaltung auf 18:30 zu legen, die Uhrzeit, die auf der Webseite der Stadt Augsburg angekündigt wird, weil wir die Angabe dort am schwersten ändern können.
Für Details siehe: Wo steht Augsburg beim Klimaschutz?
Die Veranstaltung ist Bestandteil der Klima-Karo10.
Mittwoch 21.01.2026
Podiumsdiskussion mit Kandidat*innen für die Kommunalwahlen
- Ort: Karolinenstraße 10 (Erdgeschoss)
- Zeit:
- Eröffnung: 18:15
- Beginn: 18:30
- Ende: gegen 21 Uhr
- Gestellte Fragen:
https://www.fff-augsburg.de/sachen/politik/dokumente/podiumsdiskussion_2026-01-21_fragen.pdf
Für Details siehe: Podiumsdiskussion mit Kandidat*innen für die Kommunalwahlen
Die Veranstaltung ist Bestandteil der Klima-Karo10.
Ablauf der Podiumsdiskussion
Die Podiumsdiskussion war aus unserer Sicht ein voller Erfolg. Etwa 130 Menschen nahmen daran teil. Viel mehr hätten wir nicht unterbringen können. Die Diskussion verlief konstruktiv und sachlich. Die Eingeladenen haben sich sachlich der Diskussion gestellt. Während bei anderen Veranstaltungen teilweise nur gesagt wurde, dass Klimaschutz ein sehr wichtiges Thema sei, erfuhr hier Klimaschutz endlich mal einen gewissen Grad an inhaltlichem Tiefgang. Die Fragen waren anspruchsvoll und themenbezogen. Vertreter*innen von Parteien, die nicht auf dem Podium vertreten waren, wie ÖDP, Volt und Freie Wähler, waren im Publikum zu finden und beteiligten sich teilweise aktiv an den Publikumsfragen. Auch Stadträt*innen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD waren im Publikum vertreten.
Fridays for Future Augsburg hat die inzwischen die Fragen der Podiumsdiskussion unter
https://www.fff-augsburg.de/sachen/politik/dokumente/podiumsdiskussion_2026-01-21_fragen.pdf veröffentlicht. Alle Parteien erhalten die Chance dazu, zu unseren Fragen mit einer eigenen schriftlichen Stellungnahme Position zu beziehen.
Im Vorfeld hatte es Kritik geben, weil wir nur eine Auswahl an Parteien auf das Podium geladen hatten. Wir wissen nicht, ob die Organisator*innen anderer Podiumsdiskussionen, wie der Podiumsdiskussion am 13. Januar 2026, ebenso Kritk erfahren haben.
Im Stadtrat sind aktuell zwölf Parteien vertreten. Mit Die Linke und Volt gibt es außerdem zwei weitere Parteien, die gute Chancen haben, bei der nächsten Wahl reinzukommen. Außerdem gibt es da so gewisse Parteien, mit denen wir gar nicht reden wollen, weil sie menschenverachtende und teilweise einfach nur faktisch falsche Dinge unermüdlich und ungeniert von sich geben. Daher war dem Organisationsteam immer klar, dass irgendwie eine Auswahl getroffen werden muss. Noch bevor die Auswahl der Parteien stattfand, kam man zu dem Entschluss, dass vier Parteien auf dem Podium eine gute Zahl wäre. Bei mehr wird es unübersichtlich. Danach begann die Diskussion um die Auswahl der Parteien.
Christian Pettinger von der ÖDP hat in der aktuellen Legislaturperiode sehr viel Fachkompetenz bei ökologischen Themen gezeigt. Soll man die ÖDP einladen? Kann man mit der CSU überhaupt sachlich über das Thema Klimaschutz reden? Bruno Marcon würde sicher Leben in die Diskussion bringen. Vielleicht ihn einladen? Die Fraktion Bürgerliche Mitte war bei einigen knappen Entscheidungen das Zünglein an der Waage. Mit ihnen zu reden, könnte interessant sein. Aber die Bürgerliche Mitte besteht aus drei Parteien und tritt nicht einheitlich bei der nächsten Wahl an. Welche der drei Parteien lädt man also ein? …
Nach langer Diskussion darüber, mit welchen Parteien man gut und sachlich über das Thema reden kann und mit wem man gerne reden wollen würde, beschloss man die Regel simpel und nachvollziehbar zu halten: Aufs Podium geladen werden die demokratischen Parteien, die bei der letzten Bundestagswahl mehr als 5 % der Stimmen erhalten haben. Die Einladung erfolgt an die Parteien. Es wird nicht nach Spitzenkandidat*innen verlangt. Es ist den Parteien selbst überlassen, wen sie schicken z.B. wie wichtig ihnen die Podiumsdiskussion mit uns ist.
War es die richtige Entscheidung? Zumindest von Vertreter*innen von ÖDP und Volt haben wir aber direkt bei der Podiumsdiskussion gesagt bekommen, dass sie uns in keiner Weise böse sind, dass sie nicht aufs Podium geladen wurden. Eine Person distanzierte sich auch von der Darstellung, wie in der Presse über angebliche Kritik ihrer Partei an Fridays for Future Augsburg wegen der Podiumsdiskussion berichtet worden war.
Die Auswahl der Parteien war nicht die einzige schwere Entscheidung für das Organisationsteam. Es musste auch eine krasse Auswahl an Themen und Fragen getroffen werden. Letztendlich entschied man sich, neben einer Vorstellung der Parteien nur die Themen „Wärmewende“, „Mobilitätswende“, „Soziale Gerechtigkeit“ und „Klimabildung und Kommunikation“ zu behandeln. Für mehr war einfach nicht Zeit. Das Thema „Energiewende“ wurde ausgespart. Zum einen ist es eher ein regionales oder landespolitisches als ein kommmunales Thema. Zum anderen hat die Kommune bei der Wärmewende und Mobilitätswende deutlich mehr Handlungspotenzial und Handlungsbedarf als bei der Energiewende. Die Kommunalwahl ist für die Wärmewende und Mobilitätswende daher viel wichtiger als für die Energiewende. Auch ausgespart wurde staatliche Repression gegen Klimaaktivisti. In Augsburg haben wir Richter*innen, die in Urteilsbegründungen rechtspopulstische Aussagen von sich geben, und Verurteilungen, die vom Bundesverfassungsgericht anschließend für rechtswidrig erklärt wurden. Nach mehr als vier Jahren Klimacamp, rechtswidrigen durch uns erfolgreich weggeklagten Versammlungsauflagen, zahlreichen Fällen von Repression durch das Ordnungsamt und die Polizei, die es teilweise bundesweit und international in die Medien geschafft haben, hätten wir sehr viel dazu zu diskutieren. (Ordnungsreferent Frank Pintsch tritt übrigens für die CSU auf Listenplatz 8 an.) Gerne hätten wir auch über die Bedrohungen durch den Rechtsextremismus geredet. Ebenfalls nicht behandeln konnten wir das wichtige Themenfeld der „Klimawandelanpassung“. Dabei ist Klimawandelanpassung, beispielsweise durch Stadtbegrünung, ein so wichtiges Thema, wenn es darum geht, den Aufenthalt und das Leben in der Stadt auch zukünftig angenehm zu gestalten. Kurzum: Wir haben Themen, Inhalt und Material für mindestens zwei weitere Podiumsdiskussionen. Die Auswahl an Parteien und Themen war leider aufgrund der Rahmenbedingungen einer Podiumsdiskussion und des Wunsches, tatsächliche Diskussion führen zu können, notwendig. Ein paar Fragen zu diesen anderen Themen bauten wir aber als A- oder B-Fragen in unsere Blitzrunden ein.
Interessant fanden wir, welche Parteien welche Personen schickten. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN schickten mit Martina Wild ihre Spitzenkandidatin. Die Linke entsandte mit Lukas Küfner die Person auf Platz 2 ihrer Liste und ihren Experten für Mobilitätsthemen. Mit Prof. Dr. Elke Hertig, welche auf Platz 12 der CSU-Liste steht, schickte die CSU eine Person, die zum Thema der gesundheitlichen Folgen des Klimawandels forscht. Die SPD entsandte mit Manuel Sontheimer auf Listenplatz 19 jemanden, der die junge Generation ihrer Partei repräsentiert.
Martina Wild hatte vereinzelt den Vorteil, dass sie als einzige der entsandten Vertreter*innen der Parteien aktives Mitglied des aktuellen Stadtrat ist und daher Fragen zum Abstimmungsverhalten der einzelnen Parteien in der aktuellen Legislaturperiode souveräner beantworten konnte.
Wie gut oder schlecht sich die Vertreter*innen der Parteien auf dem Podium mit ihren Antworten jeweils geschlagen haben, muss jede anwesende Person für sich selbst beurteilen.
Allerdings ist diese Podiumsdiskussion nicht das Ende sondern allenfalls die Aufwärmrunde der Thematisierung von Klimagerechtigkeit in Augsburgs Kommunalwahlkampf.
Beim Ablauf der Podiumsdiskussion haben wir verschiedene Experimente durchgeführt, die zum einen das Publikum integrieren sollten und zum anderen die Diskussion nicht aus dem Ruder laufen lässt. Eine Sorge des Organisationsteams war, dass eine der Parteien einen verbalen Brandstifter vorbei schicken könnte, der den Raum mit falschen Behauptungen gegen sich aufbringt und sich um das Mikrofon zankt. Ist alles schon mal vorgekommen in Augsburg.
Wie beim Fußball auch, gab es gelbe und rote Karten. Ein Faktencheckteam sollte die in der Podiumsdiskussion getätigten Aussagen prüfen. Sofern etwas inhaltlich Falsches gesagt wird, dürfen sie die rote Karte heben und, nachdem die Person zu Ende geredet hat, die rote Karte begründen. Eine gelbe Karte sollte eine Themenabweichung signalisieren, wenn beispielsweise eine Person die Frage nicht beantwortet, sondern stattdessen wer weiß was erzählt. Die gelben Karten wurden im Publikum verteilt. Das Faktencheckteam hat niemanden bei einer Falschaussage erwischt, hat sich aber ein paar Mal mit Ergänzungen eingebracht und Auslassungen zur Sprache gebracht. Manche Menschen im Publikum nutzten die gelbe Karte, um ihre Unzufriedenheit mit einer spezifischen Antwort zu signalisieren. Genau das war auch der Zweck, dem Publikum ein Werkzeug in die Hand zu geben, mit dem sie unterhalb der Schwelle von Buh- oder Zwischenrufen den Menschen auf dem Podium Unzufriedenheit über das Abweichen vom Thema signalisieren können. Es gingen aber nie mehr als etwa eine Hand voll der über 100 gelben Karten gleichzeitig hoch.
Ein weiteres Experiment waren Tokens für Zwischenreden. Grundsätzlich war die Redereihenfolge durch die Moderation vorgegeben. (Bei der einen Frage, wo die Moderation fragte, wer zuerst etwas sagen will, tat sich niemand hervor.) Gleichzeitig sollte es aber die Chance zur Diskussion geben. Daher hatten die Vertreter*innen der Parteien auf dem Podium jeweils drei Tokens, die sie jeweils für eine außerordentliche einminütige Zwischenrede einlösen konnten. Also auch, wenn sie bereits geredet hatten, konnten sie durch Einlösen eines Tokens, noch ein zweites Mal reden und so beispielsweise auf etwas, was eine andere Person gesagte hatte, eingehen. Zu Beginn der Podiumsdiskussion horteten die Politiker*innen ihre Tokens noch, aber in der zweiten Hälfte wurden sie dann doch recht aktiv eingesetzt. Die Token sind ein Werkzeug des Zeitmanagements. Sie sorgen für eine Balance zwischen Planbarkeit des zeitlichen Ablaufs und einer lebhaften Diskussion, bei der die Teilnehmenden aufeinander eingehen, während sie gleichzeitig Fairness bezüglich der Redezeiten sicherstellen.
Insgesamt sind wir mit den Experimenten ganz zufrieden.
Natürlich gibt es auch Dinge, die man besser machen könnte. Vielleicht hätten wir im Vorfeld klarer kommunizieren sollen, dass wir nicht nur über die Positionen, Aussagen und Versprechungen der Parteien in ihrem Wahlprogramm reden wollen, sondern selbstverständlich auch dem tatsächlichen Abstimmungsverhalten der Parteien im Stadtrat für die letzten paar Jahre einen Spiegel vorhalten werden.
Weiter gab etwas nach der Podiumsdiskussion etwas Kritik, dass zu lange über Wärmewende geredet wurde. Wir hatten drei Fragen zur Wärmewende. Wärmewende ist auch ein wichtiges und stark unterrepräsentiertes Thema. Insofern waren die drei Fragen angebracht. Das Problem scheint uns eher zu sein, dass die Antworten auf die drei Fragen teilweise repetitiv waren. Wenn wir in Zukunft verschiedene Fragen zum selben Thema stellen, sollten wir versuchen die Fragen so zu stellen, dass es den Politiker*innen schwerer gemacht wird, die selben Antworten zu wiederholen.
Außerdem überlegen wir, beim nächsten Mal anstatt mit einem Mikrofon im Publikum herumzurennen, die Publikumsfragen über ein Online-Tool oder Zettel zu sammeln (Zettel, denn es soll keinen Zwang zur Digitalisierung geben) und dann durch die Moderation stellen zu lassen. Denn teilweise brauchten die Leute recht lange, um eine Frage auszudrücken.
Insgesamt war es eine sehr erfolgreiche Veranstaltung.
Dienstag 20.01.2026
Erster Mobilitätswendestammtisch
Heute fand der erste Mobilitätswendestammtisch statt. Siehe auch Mobilitätswendestammtisch im Programm der Klima-Karo10.
Das Treffen war ein voller Erfolg. Zwischen interessierten Menschen, die erst vor kurzem nach Augsburg gezogen waren, langjährigen Mitgliedern etablierter Mobilitätswendeorganisationen, Organisator*innen von Demos bishin zu Mitgliedern von Beiräten der Stadt Augsburg bildete sich eine konstruktive Diskussion auf Augenhöhe. Es wurden Ziele gesetzt und Aufgaben verteilt wie auch gleich der nächste Mobilitätswendestammtisch in einigen Wochen geplant. Etwas später sollen erste Ergebnisse der Zusammenarbeit dann einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das Engagement für eine Mobilitätswende ist auch notwendig, um Augsburg nach Auslaufen des Radvertrags weiterhin auf dem Kurs zur Fahrradstadt zu halten und Rückschritten in Augsburgs ÖPNV zu begegnen.
Diese Veranstaltung war Bestandteil der Klima-Karo10.
19.01.2026 bis 25.01.2026 – Klimagerechtigkeit in der KARO [10]
Die ganze Woche gibt es in der Karolinenstraße 10 Veranstaltungen zum Thema Klimagerechtigkeit.
Siehe das Programm der Klima-Karo10. Als ein Highlight des vielfältigen Programms ist am Mittwoch eine Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen verschiedener Parteien geplant, die bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 antreten werden.
- Workshop: Presseworkshop (Montag)
- Speedfriending (Dienstag)
- Mobilitätswendestammtisch (Dienstag)
- Podiumsdiskussion mit Kandidat*innen für die Kommunalwahlen (Mittwoch)
- Workshop: Wo steht Augsburg beim Klimaschutz? (Donnerstag)
- Austauschrunde zu Schulstraßen (Freitag)
- Workshop: Bits und Bäume (Freitag)
- Kleidertausch (Samstag)
- Basteln, Spielen, Geschichten hören – Ein Nachmittag für Kinder im Karo 10 (Samstag)
- Workshop: Klimakrise – Wie geht‘s jetzt weiter? (Samstag)
- Workshop: Naturwissenschaftliche Grundlagen der Klimakrise (Sonntag)
- Dauerausstellungen/Dauerprogramm
Mittwoch 14.1.2026 – Bits und Bäume Augsburg
Wann: ab 19 Uhr Wo: im OpenLab Augsburg, Bäckergasse 32 Offenes Treffen zu nachhaltiger digitalisierung, jeder willkommen!
Dienstag 13.01.2026
Podiumsdiskussion mit Kandidat*innen für Bürgermeisteramt und Stadtrat
An diesem Tag gab es um 20:15 in Hermann-Köhl-Straße 25 eine Podiumsdiskussion mit Eva Weber (1. Bürgermeisterin, Bürgermeisterkandidatin der CSU), Martina Wild (2. Bürgermeisterin, Bürgermeisterkandidatin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Florian Freund (Stadtrat, Bürgermeisterkandidat der SPD) und Lars Vollmar (Stadtrat der FDP). (In einer älteren Version des Textes wurde Lars Vollmar fälschlicherweise als Bürgermeisterkandidat der FDP bezeichnet. Iris Steiner ist gemeinsame Bürgermeisterkandidatin von FDP und Pro Augsburg. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.)
Siehe auch:
https://www.evangelische-termine.de/detail-bt?ID=7843615
Organisiert wurde die Veranstaltung vom Evangelischen Forum Annahof, der Evangelischen Studierendengemeinde Augsburg, der Katholische Studierendengemeinde Augsburg, dem AStA der Universität Augsburg in den Räumen der Katholische Hochschulgemeinde Augsburg.
Die Podiumsdiskussion war gut besucht. Auch mindestens vier von uns aus der Klimagerechtigkeitsbewegung waren da und haben sich das angeschaut, auch in Vorbereitung auf die eigene Podiumsdiskussion mit Kandidat*innen für die Kommunalwahlen am 21.01.2026.
In der Klimagerechtigkeitsbewegung und unter Aktivisti allgemein nimmt man sehr große Mühen in Kauf, um die Aufmerksamkeit von Politiker*innen auf wirklich wichtige Themen zu lenken. Deshalb ist es für viele von uns schwer verständlich, dass man, wenn man dann mal die Aufmerksamkeit dieser Politiker*innen hat, man die Gelegenheit und die Zeit des Publikums mit Fragen zu Lieblingsorten, Clubs, Bars und Dönern verschwendet. Zum Glück nahm das nur einen Teil der Zeit ein und es wurden auch recht interessante Fragen gestellt. Hinzu kamen sehr spannende Fragen aus dem Publikum. Mit einem Online-Tool konnten die Menschen im Publikum eigene Fragen stellen und diese Fragen hochwählen. Aus Zeitgründen wurden nur grob die 20 % am höchsten bewerteten Fragen, die aus dem Publikum kamen, auch den Politiker*innen gestellt.
Wichtige Themen, die angeschnitten oder behandelt wurden, waren Klimaschutz, Wohnen, Mobilität und Widerstand gegen den Rechtsruck und die Gefahren, die von rechtsextremem Gedankengut und Parteien ausgehen.
Hier nun der Versuch 1 h 45 min an Podiumsdiskussion zusammenzufassen, was natürlich nicht geht, ohne Kontext und Ton des Gesprochenen zu verlieren.
Klimaschutz
Zu Klimaschutz hatten die Veranstalter*innen eine Ja/Nein-Frage und eine offene Frage.
Auf die Ja/Nein-Frage, ob sie zufrieden mit dem derzeitigen Anteil an erneuerbaren Energien am Energiemix der Stadtwerke seien, antwortete nur Lars Vollmar mit Ja. Wir sehen die korrekte Antwort auch bei Nein, da noch viel Luft nach oben besteht. Die Stadtwerke kaufen immer noch Strom aus fossilen Energiequellen ein, insbesondere für ihre Industriekund*innen, die Produktion der Fernwärme basiert noch immer zu Teilen auf Erdgas und Erdöl und die Stadtwerke sind noch immer Zwischenhändler für erhebliche Mengen Erdgas.
Die offene Frage bezog sich auf die Baubranche, die für erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Die Antworten entsprachen so etwas den Klischees über die Parteien. Lars Vollmar verwies darauf, dass der Fernwärmeausbau gut voranschreitet, und meinte, dass es andere Maßnahmen auf kommunaler Ebene nicht in Frage kämen, weil diese das Bauen verteuern würden. Dr. Florian Freund verwies auf die Möglichkeit, den städtischen Gebäudebestand zu sanieren, und auf die Einsparungen der Sanierung des Verwaltungsgebäudes an der Blauen Kappe als Positivbeispiel. Weiter betonte er die Wichtigkeit klimaresilient zu werden, um sich an das anzupassen, was an Klimaveränderung nicht mehr verhinderbar ist. Martina Wild führte die Maßnahmen der Vergangenheit aus, wie Klimawandelanpassungskonzept, Solarpflicht, Klimaschutzberichterstattung und Solar auf Schuldächern. 320 Mio Euro seien in der Legislaturperiode für Schulsanierungen ausgegeben worden. Eva Weber verwies darauf, dass allein die Sanierung der Gebäude der städtischen Wohnbaugruppe, in denen 11.000 Mieter*innen wohnen würden, etwa 3 Milliarden bis 4 Milliarden Euro kosten würde. Sie verwies auf Klimaschutz durch Innovation und insbesondere die Arbeit der Firma Everllence an klimaneutralen Schiffsmotoren. Wir finden alle Antworten etwas ambitionslos. Es gibt so viel mehr, was im Verantwortungsbereich des Stadtrates getan werden kann und getan werden sollte.
Es gab dann noch eine Frage aus dem Publikum, ob die Politiker*innen neue Ölbohrungen im Landkreis Augsburg unterstützen würden und wie die Energiewende gelingen soll? Allgemein wussten die Politiker*innen recht wenig über die Pläne im Landkreis und sahen für sich auch keine Möglichkeiten Ölbohrungen im Landkreis zu verhindern. Dr. Florian Freund sagte, dass man bei der Energiewende weitermachen müsse, womit er insbesondere die Stadtwerke meinte. Am deutlichsten sprach Lars Vollmar aus, dass es beknackt wäre, jetzt noch neu nach Öl zu bohren. Martina Wild verwies auf die Zukunftsfähigkeit erneuerbarer Energien.
Mobilität
Zu Mobilität: Die Politiker*innen sprachen von sich aus schon recht früh in der Diskussion das swaxi als Errungenschaft der zu Ende gehenden Legislaturperiode an. Das war aber der einzige Aspekt von Mobilität, der besprochen wurde. Interessanterweise scheinen sich einige Menschen Sorgen um die Zukunft des swaxis zu machen. Darauf deuten mehrere Fragen aus dem Publikum zum drohenden Ende des swaxi und Sorgen um Preissteigerungen hin. Hintergrund der Verunsicherung scheint die Tatsache zu sein, dass eine Bundesförderung für das swaxi wegfällt. Allerdings hatte der Wirtschaftsausschuss im Oktober 2025 entschieden, dass swaxi auch ohne Bundesförderung weiterzuführen.. Der Dienst wird zwar etwas ausgedünnt und auch teurer, aber die Zustimmung zur Weiterführung des swaxis unter den demokratischen Parteien im Stadtrat ist überwältigend. Die zweite Sorge zum swaxi, ob das swaxi bezahlbar bleibt, ist damit durchaus berechtigt. Allerdings wurde keine Frage zu Mobilität, hoch genug gewählt, dass sie auch gestellt wurde. Auch eine Frage zur Zuverlässigkeit der Trams schaffte es nicht in die Endauswahl. Wir kennen aber die Standardantworten, dass es der Fachkräftemangel sei, man da nichts machen könne und die Finanzen der Stadt nicht mehr ÖPNV erlauben würden.
Wohnen
Wie auch die Bezahlbarkeit von Mobilität, war auch die Bezahlbarkeit von Wohnen ein Thema, welches das größtenteils eher junge Publikum interessierte. Eva Weber sagte, dass Bauen günstiger werden müsse, und nannte die Zahl von 8.000 Euro/m² für die Schaffung von Wohnraum. Martina Wild äußerte, dass man froh über die stadteigene Wohnbaugruppe seien darf. Als Idee brachte sie eine Zweckentfremdungssatzung für Leerstand ein, führte das aber nicht weiter aus. Dr. Florian Freund kritisierte die Stellplatzsatzung und Spielplatzsatzung der Stadt Augsburg als Dinge, die bauen teurer machen würden. Weiter kritisierte er, dass in Augsburg die Erstellung eines Bebauungsplans für eine Industriebrache neun Jahre gedauert habe. Die Gründe für die lange Bearbeitungszeit wären ganz interessant gewesen, wurden aber nicht erläutert. Lars Vollmar sagte, dass Augsburg heute 40.000 mehr Einwohner*innen als zur Jahrtausendwende habe, aber nur für 60 % oder 80 % (Sorry, vergessen, welche Zahl es tatsächlich war?) neuer Wohnraum geschaffen wurde. Er schlug Aufstocken, das Ändern von Bebauungsplänen und Wohnungen auf Supermärkten als Lösungen vor.
Das Thema kam nochmal zur Sprache, als die Publikumsfrage, was die größte Aufgabe sei, die Augsburg nicht ausreichend erfüllt. Lars Vollmar nannte Wohnen als Antwort. Dabei verwies er auch auf die Verantwortung der Umlandgemeinden im sogenannten „Speckgürtel“. So seien in Augsburg 30 % der Neubauten Sozialwohnungen. Augsburg habe 23 Sozialwohnungen pro 1.000 Einwohner*innen. In den Nachbargemeinden seien es nur 6,5.
Rechtsruck und Gefahren, die von rechtsextremem Gedankengut
Das Thema Rechtsruck und rechtsextremes Gedankengut kam mehrfach zur Sprache. Uneinheitlich war die Antwort auf die Frage, wie man mit der AfD umgehen solle. Lars Vollmar empfahl, die Partei inhaltlich zu stellen. Dem widersprach Dr. Florian Freund. Er führte aus, dass man eine Partei, die keine Inhalte habe, sondern deren Politik auf niedersten Instinkten basiere, nicht inhaltlich stellen könne. Seine Antwort war, dass man ein funktionierendes Gemeinwesen demonstrieren müsse, um der Partei zu begegnen. Martina Wild nannte drei Punkte als Antwort. Erstens nannte sie eine politische Kultur frei von Hass und Diskriminierung, die auch nach Wahlen noch anschluss- und kompromissfähig seien muss. Ob das ein Seitenhieb auf das Grünen-Bashing einiger Unionspolitiker*innen ist? Zweitens müsse man Demokratieförderung ausbauen. Drittens müsse man allen Chancen geben und dürfe niemanden zurücklassen. Man müsse Sorgen ernst nehmen, auch wenn sich Schüler Sorgen über die Preise von Dönern machen. Eva Weber zeigte sich stolz auf die Friedensstaat Augsburg und die Großdemonstrationen gegen rechtsextreme Geheimtreffen. Allerdings würde demonstrieren nicht reichen. Man müsse auch miteinander sprechen, dürfe nicht anfangen, politische Gegner mit Fake News zu überziehen. Sie als Politiker*innen haben Verantwortung dafür, dass Menschen Vertrauen in sie haben.
Auf die Frage, was sie tun würden, wenn ihre Partei eine Koalition mit der AfD eingehen würden, antworten alle vier, dass sie dann aus ihrer Partei austreten würden. Eva Weber sagte, dass sie alles dafür tun werde, die Partei zurückzudrängen. Dr. Florian Freund sagte, dass der Kampf gegen den Faschismus zu den Werten der SPD gehöre und eine SPD, die eine Koalition mit der AfD eingehen würde, nicht mehr seine SPD wäre. Lars Vollmar sagte, dass es ihm um Freiheit gehe und damit auch die Freiheit des Andersdenkenden gemeint sei.
Aus dem Publikum kam noch eine Frage zur Förderung queerer Projekte und zur Stimmungsmache gegen queere Menschen. Alle vier nannten laufende Projekte zur Förderung queerer Menschen. Eva Weber nannte den Regenbogenempfang, den queeren Tisch und Dialoge zwischen Organisationen, die queere Menschen vertreten, und der Polizei. Martina Wild nannte Regenbogenfahnen, Toiletten für alle und stellte klar, dass Hass und Hetze keinen Platz in der Friedensstadt Augsburg haben. Dr. Florian Freund nannte Aufklärungsarbeit und Beratungsmöglichkeiten und äußerste „Null Toleranz“ gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Lars Vollmar sagte, dass man etwas gegen queere Menschen als persönliche Meinung haben dürfe, man aber dann einschreiten muss, wenn die Menschenwürde verletzt wird. Weiter nannte er Sensibilisierung im medizinischen Bereich, welche als Thema vom CSD kam und nun vom Gesundheitsausschuss der Stadt behandelt wird.
Andere Fragen
Es gab dann noch weitere Fragen, beispielsweise zur Situation der Ausländerbehörde.
Nun waren die Antworten der vier Teilnehmenden bei vielen Fragen oft recht ähnlich. So ist es nicht erstaunlich, dass letztendlich aus dem Publikum der Frage hoch gewählt wurde, worin sich die eigene Partei von den drei anderen Parteien unterscheideen würde und was das Alleinstellungsmerkmal der eigenen Partei wäre. (Das merkt man der Frage vielleicht nicht an, aber sie war von jemandem von uns aus der Klimagerechtigkeitsbewegung eingereicht worden.) Eva Weber überließ Martina Wild den Vortritt zur Beantwortung der Frage. Martina Wild sagte, dass ihre Partei die einzige sei, die im Original noch Bäume umarmen würde, während Personen aus anderen Parteien das vor ein paar Jahren nur getan haben, weil es gerade der Stimmung im Land entsprach. Das ist nun aber wirklich ein Seitenhieb gegen Markus Söder, oder? Dr. Florian Freund nannte die Haltung der SPD gegen Nazis sowie den sozialen Wohnungsbau. Lars Vollmar sagte, dass das Alleinstellungsmerkmal der FDP sei, dass man die Menschen so weit wie möglich selber entscheiden lasse, und wenn auf ein Ziel hinzuarbeiten sei, man lediglich Rahmenbedingungen festlegen würde. Eva Weber nannte keine Inhalte als Alleinstellungsmerkmal, sondern führte aus, dass man die letzte Volkspartei sei.
Zwei Fragen aus dem Publikum brachten die anwesenden Politker*innen dann doch ein wenig ins Straucheln.
Da war zum einen die Frage ziemlich zum Schluss, wie sie dazu stehen würden, dass das in Augsburg ansässiges Rüstungsunternehmen Renk, trotz politischer Debatten und zeitweiliger Exportstopps, weiter an den Staat Israel liefert. Die Antworten von Lars Vollmar und Eva Weber bewerten wir mal als ausweichend. Am klarsten antwortete noch Dr. Florian Freund, der sagte, dass man gleichzeitig das Selbstverteidigungsrecht Israels anerkennen und die Politik und Regierung in Israel für schlecht und verwerflich halten kann. Martina Wild verwies ganz allgemein darauf, dass sich Unternehmen ihrer eigenen Geschichte kritisch stellen sollten, wie dies in Augsburg in Halle 116 geschieht.
Außerdem wurde Frau Weber gefragt, wie sie die komische Selbstdarstellung von Markus Söder auf Social Media und allgemein in der Öffentlichkeit bewertet und ob sie dieses Verhalten eines Ministerpräsidentens für angemessen hält? Ihre Antwort war sehr diplomatisch. Sie sagte, dass Politik informieren und transparent sein muss, dass Amt aber auch Seriosität braucht. Mit den Auftritten von Markus Söder tue sie sich manchmal schwer und manchmal sei es ihr zu viel. Sie träfe aber auch junge Menschen, die das gut fänden. Viele von uns müssen, wenn die CSU Transparenz anspricht, noch immer daran denken, wie die Augsburger CSU 2024 versucht hatte, die Veröffentlichung des Energienutzungsplans Wärme zu verhindern und sie erfolgreich zumindest um etwa neun Monate verzögert hat.
Fazit
Stellenweise haben wir inhaltlichen Tiefgang und kritische Rückfragen vermisst. Aber insbesondere das Thema der Bedrohung durch Rechtsextremismus wurde für eine recht allgemein gehaltene kommunale Podiumsdiskussion mit Zeitlimit ganz gut behandelt.
Technisch lief die Podiumsdiskussion einwandfrei ab. (Neben einem QR-Code für die Teilnahme an den Publikumsfragen, hätte man aber auch noch die URL zum Abtippen anzeigen können, um nicht die Leute auszuschließen, die mit internetfähigem Laptop aber ohne QR-Code-fähige Kamera anwesend waren.) Politiker*innen haben sich an ihre Redezeiten gehalten und sich kein einziges Mal ans Mikrofon geklammert. (Das ist keine Selbstverständlichkeit.) Wir würden uns freuen, wenn unsere Podiumsdiskussion am 21.01.2026 ebenfalls so gut abläuft.
Samstag 10.01.2026 – PRÜF!-Demo
Am zweiten Samstag im Monat finden die Prüf-Demos statt. Die Forderung ist simpel: „Alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden.“ Die Forderung richtet sich an den Bundesrat, weshalb die Demos in den Landeshauptstädten, unter anderem in München, stattfinden. Drei Bundesländer haben sich bereits dazu bereit erklärt. Für eine Mehrheit im Bundesrat braucht es noch mehr Bundesländer. Auch Bayern soll mitmachen.
- Ort: München, Geschwister-Scholl-Platz
- Zeit: 14 Uhr
- Für Hintergrundinformationen siehe auch PRÜF von Nico Semsrott.
**Nachtrag: Schon deutlich mehr Menschen als bei der ersten PRÜF-Demo im Dezember.
Sonntag 04.01.2026 – Digitaler Unabhängigkeitstag
Die Idee des digitalen Unabhängigkeitstages besteht daran, am ersten Sonntag im Monat in aller Ruhe in kleinen Schritten auf seine eigenen Abhängigkeit von großen Digitalunternehmen hinzuwirken. Siehe: https://di.day/
Man kann sich das Konzept auch vom Känguru, gelesen von Marc-Uwe Kling, erklären lassen. Siehe https://media.ccc.de/v/39c3-die-kanguru-rebellion-digital-independence-day ab 45:00.
Was 2026 wichtig werden wird
Folgende Themen werden 2026 wichtig werden.
- Kommunalwahl
- Öl- und Gasbohrungen im Umland
- Wärmewende
- Mobilitätswende
- Klimaschutzmanagement und Monitoring der Stadtverwaltung
- Verteidigung der Zivilgesellschaft vor rechtsextremen Strömungen
- Ausrichtung der Klimagerechtigkeitsbewegung
Siehe auch: Jahresrückblick 2025
Kommunalwahl
Am 8. März 2026 ist Kommunalwahl. Sowohl Bürgermeister*in als auch Stadtrat werden neu gewählt. Damit Augsburger*innen informierte Wahlentscheidungen treffen können, bereiten wir Einiges vor.
- Zum einen hat Fridays for Future Augsburg für Mittwoch, den 21.01.2026, eine Podiumsdiskussion mit Kandidat*innen für die Kommunalwahlen** organisiert.
- Weiter arbeiten verschiedene Initiativen an Fragebögen für die Parteien. Der Plan ist, Wahlchecks zusammenzustellen, die ähnlich wie der Wahl-O-Mat funktionieren, aber speziell Themen zu Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit in Augsburg behandeln. Wir werden auf der Webseite des Klimacamps informieren, wenn die Wahlchecks fertig sind.
Wichtig ist nicht nur, dass der kommende Stadtrat ambitioniert und effektiv Klimaschutzmaßnahmen und Klimaanpassungsmaßnahmen angeht, sondern dass dies auf sozial gerechte Weise erfolgt und die Maßnahmen effektiv an die Allgemeinheit kommuniziert werden.
Öl- und Gasbohrungen im Umland
Unsere Region erlebt einen Rückfall in fossile Denkmuster. Im Landkreis Augsburg wird bereits Erdöl gefördert. Eine weitere Bohrstelle bei Großaitingen soll nun hinzukommen. Im Landkreis Landsberg am Lech wird frisch nach Erdgas gebohrt.
Das Vorgehen ist verantwortungslos. Ist eine Lagestätte erstmal erschlossen, gibt es einen starken finanziellen Anreiz dazu, die Pumpen so lange weiterlaufen zu lassen, wie fossile Brennstoffe aus dem Boden kommen.
Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir bereits erschlossene Lagerstätten stilllegen, sehr bald und in großem Maßstab. Die weltweit bereits erschlossen Lagerstätten sind mehr als genug, um uns in die Katastrophe zu führen.
Für Unternehmen, die Erdöl oder Erdgas fördern, ist es nicht vermittelbar, dass sie weniger fördern dürfen, nur weil irgendwo anders auf der Welt durch die Erschließung neuer Lagerstätten mehr gefördert wird.
Praktisch wird es so sein: Je mehr Lagerstätten erschlossen sind, umso mehr Treibhausgase werden letztendlich in der Atmosphäre abgelagert werden und umso schlimmer wird uns die Klimakatastrophe treffen. Vor diesem Hintergrund sollten nicht Klimagerechtigkeitsaktivisti, sondern müssten Menschen, die aktiv an der Erschließung von Lagerstätten fossiler Energieträger arbeiten, strafrechtlich verfolgt werden.
Nicht vergessen werden sollte auch das Betragen der Firma Energie Schwaben GmbH, welche noch 2025 den Ausbau des Gasnetzes vorangetrieben hat und neue Gebäude an diese schädliche Heizmethode anschloss. Das Unternehmen befindet sich noch immer zu 35,14 % im Besitz unserer Stadt und ist damit auch unsere Verantwortung.
Was wir brauchen, sind gesetzlich festgeschrieben Pläne für den Ausstieg aus Erdöl und Erdgas, so wie wir ihn für den Kohleausstieg bereits haben. Nur so erhalten Menschen und Industrie die Planungssicherheit, die sie zum Erreichen der Klimaziele benötigen.
Wärmewende
Zwei für die Wärmewende wichtige Termine stehen 2026 an.
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Zum einen muss Augsburg seine Wärmeplanung fertigstellen. Als Augsburg 2021 mit seiner Wärmeplanung begann, war dies ein Beschluss des Augsburger Stadtrates. Kein Bundesgesetz verpflichtete Augsburg dazu. Inzwischen gibt es ein Bundesgesetz: Bis Ende Juni 2026 müssen alle deutschen Großstädte, also Städte mit mehr als 100.000 Einwohner*innen, ihre Wärmeplanung fertig gestellt haben. Rund um Augsburg ziehen Städte an Augsburg vorbei und beschließen ihre Wärmeplanung. Augsburg, welches mit einem Vorsprung begann, wird es erst kurz vor der gesetzlichen Frist schaffen.
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Bis Herbst 2026 möchten die Stadtwerke Augsburg einen Transformationsplan zur Dekarbonisierung der Fernwärme erstellen. Wir hoffen, dass dieser nicht auch wie einst der Energienutzungsplan Wärme für Monate in einer Schublade verschwindet. Um verbreitete Vorbehalte gegenüber Fernwärme zu überwinden, ist auch eine nachvollziehbare und klar kommunizierte Strategie zur Dekarbonisierung der Fernwärme notwendig, die ambitionierte Klimaschutzziele mit für die Kund*innen bezahlbaren Preisen vereinigt.
Spannend ist auch die Frage, wie die nächste Stadtregierung die Wärmewende in Gebieten mit dezentraler Wärmeversorgung, also Gebiete, die nicht an ein Fernwärmenetz angeschlossen werden, voranbringen will. Mal abgesehen von ersten Beratungsangeboten drückt sich die Stadtregierung hier um eine Antwort herum. Verwiesen wird immer nur auf den Ausbau der Fernwärme.
Mobilitätswende
Die Mobilitätswende stützt sich grob auf sechs Säulen.
- Förderung von Radverkehr
- Verbesserung von klimaneutralem ÖPNV in Qualität und Quantität und Preis
- Reduzierung des MIV
- Förderung von Fußverkehr / Stadt der kurzen Wege
- (Elektrifizierung des verbleibenden MIVs)
- (Förderung vom klimaneutralem öffentlichen Regionalverkehrs)
Die Förderung des Radverkehrs hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht.
Schlecht sieht es beim ÖPNV aus. Ein Fortschritt bestand in der Einführung des swaxis. Allerdings hat der Linienverkehr Einschnitte erfahren und der weitere Ausbau des Straßenbahnnetzes ist zum Stillstand gekommen.
Bei der Reduzierung des MIVs besteht eine gewisse Mutlosigkeit. Selbst schon die Befreiung von weniger als 200 Metern der Maximilianstraße aus den Fängen des Autoverkehrs ist ein politisches Unterfangen von so gigantischen Ausmaßen, dass der erste Versuch zum Scheitern verurteilt war. Um jeden einzelnen Parkplatz wird erbittert gekämpft. Die Lebensqualität in Augsburg leidet stark unter den Autos und eine wesentliche Verbesserung zeichnet sich bisher nicht ab.
Augsburg möchte eine „Stadt der kurzen Wege“ werden. Das ist aber ein langwieriges Unterfangen. Ob dieses Ziel auch bei jedem einzelnen Bauvorhaben und Bebauungsplan beachtet wird, ist uns nicht bekannt.
Weitere Schritte, wie die Elektrifizierung des verbleibenden MIVs und die Anbindung Augsburgs an die Umlandgemeinden sind nur teilweise im Verantwortungsbereich der Stadt.
Damit die Menschen in Augsburg die Vorzüge einer Mobilitätswende in vollen Zügen geniesen können, ist noch sehr viel Wandel notwendig. Dass es erfolgreich sein kann, sieht man an anderen europäischen Städten wie Kopenhagen und Paris.
Klimaschutzmanagement und Monitoring der Stadtverwaltung
Die Antwort auf die Frage „Wo steht Augsburg beim Klimaschutz“ ist aktuell nicht so leicht zu ermitteln, selbst nicht für Mitarbeitende in Augsburgs Stadtverwaltung. Zu verstreut sind die Informationsschnipsel über die ganze Verwaltung. Die Einführung eines Werkzeugs zum integrierten Projekt- und Zeitmanagement der Klimaschutzmaßnahmen soll hier helfen. Siehe:
https://www.augsburg.sitzung-online.de/public/to020?TOLFDNR=1001120
Leider zieht sich die Einführung schon seit einiger Zeit. Hoffentlich wird die Einführung des Tools auch dazu genutzt werden, die Öffentlichkeit besser über den Stand der Klimaschutzmaßnahmen zu informieren. Ansonsten gibt es als Ausweichlösung von Aktivisti gepflegte Übersichtsseiten über den Stand des Klimaschutzes in der Stadt, wie beispielsweise Stadt.Land.Klima!
Verteidigung der Zivilgesellschaft vor rechtsextremen Strömungen
Wir sind aktuell wieder vermehrt einer Bedrohung durch von rechtsextremen Gedankengut beeinflussten Menschen und Organisationen ausgesetzt, sowohl international wie auch lokal. 2026 wird auch ein wichtiges Jahr für den Widerstand gegen Rechtsextremismus werden.
Eine wehrhafte Demokratie ist nur geschützt, wenn sie sich auch tatsächlich zur Wehr setzt. Wenn die Verantwortlichen schlafen, könnte es auch der Bundesrepublik ergehen wie einst der Weimarer Republik. Eine wichtige Komponente des Widerstands sind in Deutschland daher aktuell die PRÜF-Demos. Demonstriert wird für eine simple Foderung: „Alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden.“ Der Verantwortlichen werden aufgefordert, eine solche Prüfung zu initiieren. Ziel ist natürlich ein Verbot der dem Grundgesetz bedrohlich gewordener Parteien. Das löst zwar nicht alle Probleme, die wir aktuell mit Rechtsextremismus im Land haben. Aber es schafft unserer Demokratie wieder mehr Atemluft und Handlungsspielraum.
Auf internationaler Ebene lautet die Devise, durchhalten, die eigenen Werte hoch halten und ehrlich sein. (Siehe auch die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney vom 20.01.2026 in Davos.) Verhindern sollte wir, dass wir uns von denjenigen abhängig machen, die unsere Werte abschaffen wollen. Aufhören sollten wir damit, zur Machtanhäufung derjenigen beizutragen, die ihre Macht gegen unsere Demokratie und die Überreste unserer sozialen Marktwirtschaft richten. Aus diesem Grund erfreut sich der Digitale Unabhängigkeitstag gerade zunehmender Beliebtheit.
In Acht nehmen sollten wir uns auch vor Menschen, die unter dem einen oder anderen Vorwand verschiedene Formen von Überwachung hier im Land ausbauen. Sie bedienen sich dabei oft der USA als Vorbild und verwenden Technologien eben jener Akteure, die gegen die im Grundgesetz festgelegten Grundwerte agieren. Der Einsatz von Palantir-Software kommt einem Landesverrat nahe!
Darum lasst uns nicht die Fehler Martin Niemöllers wiederholen. Nehmen wir die Erfahrungen Erich Kästners zu Herzen: „Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf …“ Jetzt ist noch der Zeit für ziviles Engagement gegen Rechtsextremismus.
Ausrichtung der Klimagerechtigkeitsbewegung
Spannend wird, wohin sich die Klimagerechtigkeitsbewegung entwickelt.
Im Jahresrückblick 2025 hatten wir schon geschrieben, dass wir planen die Aktivität an der Webseite des Klimacamps zurückzufahren. Der Grund liegt wie berichtet nicht in einer Schwäche der Klimagerechtigkeitsbewegung, sondern im Gegenteil darin, dass es so viel vielfältige Aktivität gibt, dass es zunehmend schwieriger wird mitzuhalten und darüber zu berichten. Auch sind einige Aufgaben, wie die Archivierung von Pressemitteilungen, schon lange an die klimanetz-augsburg.org-Webseite übergegangen. Die fortwährende Herausforderung ist, zwischen diesen vielen Gruppen Koordination und Zusammenarbeit am Laufen zu halten. Dafür sind persönliche Kontakte und individueller Einsatz Vieler essienziell, nicht irgendeine Webseite. Das klappt derzeit ganz gut, wie man an den vielen Kooperationen, beispielsweise auch für die Klima-Karo10 merkt.
Nur weil eine Sache wichtig ist, heißt es nicht automatisch, dass genügend Menschen einen Teil ihrer Freizeit damit verbringen, für dieses Thema zu lobbyieren. Also können wir neugierig sein, welche Gruppen mit welchen Aktionen zu welchen Themen aktiv sein werden. Traditionell gibt es viele Menschen, die sich mit Mobilitätswende und vor allem der Förderung vom Radverkehr befassen. Aber die Erdgasbohrungen in Reichling haben auch viele Menschen zum Protest animiert. Vielleicht gelingt etwas Ähnliches bezüglich der Ölbohrungen bei Großaitingen. Auch die vielen anderen wichtigen Klimaschutzthemen, aber auch Klimawandelanpassungsthemen, wie Stadtbegrünung und Schwammstadt, sollten weiter besetzt bleiben. Und natürlich ist die Klimakatastrophe nicht die einzige Überschreitung planetarer Grenzen, mit der wir uns derzeit auseinandersetzen müssen. (Siehe auch Bundesumweltministerium zu dem Thema.) Insofern gilt Dank allen engagierten Menschen, die sich für die notwendigen Lösungen einsetzen. Wir hoffen auch euch demnächst (wieder) bei Aktionen anzutreffen.
Tagebücher der zurückliegenden Jahre
Das Tagebuch wurde zu lang. Daher haben wir die Tagebücher der zurückliegenden Jahre abgetrennt.
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